Was kommt eigentlich nach der Farce?

Das Verhältnis der radikalen Linken zur Realität ist seit Jahrzehnten getrübt. Die eigene gesellschaftliche Ohnmacht lies selbst die letzten Refugien der Vernunft austrocknen. Zwar tanzen einige volltrunkene Stadtindianer noch um die Asche in der Hoffnung, aus der Schlacke zumindest etwas persönlichen Profit zu schlagen, aber außer dem üblichen deutschen Winnetou-Getue ist hier wahrlich nichts mehr zu holen.

Statt sich endlich an die kritische Analyse der historischen Niederlagen der Arbeiterbewegung heranzuwagen, wird fleißig auf scheintote Subkulturen eingeprügelt. Dieses Mal soll es die letzten verbliebenen „antifaschistischen Gruppen“ treffen. Weil selbst den Organisatoren dieser Selbstkasteiungsveranstaltung1 die Relevanz der eigenen Subkultur derart gering erschien, musste in der Ankündigung der zu kritisierende Gegenstand grandios aufgeblasen werden.

Seit wann die Streetfighter gegen die Fußtruppen der Reaktion als Pioniere „zu einer Gesellschaft, die den Kapitalismus überwunden hat“ gelten, bleibt das große Geheimnis der Veranstalter. Selbst die Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation wusste bei ihrer Gründung vor über 25 Jahren insgeheim, dass das Konzept des revolutionären Antifaschismus eine ideologische Luftnummer ist. Der Abwehrkampf gegen die Wiedergänger der Nationalsozialisten lies keine Zeit, um über irgendwelche emanzipatorischen Wunschvorstellungen zu referieren. Zumindest nicht dort, wo es tagtäglich brannte…

Die „Reproduktion von traditionell männlichen Verhaltensweisen“ dann zielgenau bei denjenigen zu suchen, die am Geburtstag von Adolf Hitler ebenso wie am alljährlichen Männertag Patrouille liefen oder den christlichen Lebensschützern die Läden demolierten, ist ein absolutes Armutszeugnis. Hier geht es keineswegs um Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern um die Bestätigung von lang gehegten Ressentiments. Der kaum noch existierenden Antifabewegung angesichts der Randale anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg einen aggressiv-männlichen Habitus vorzuwerfen, zeigt die völlige Verkommenheit aller daran Beteiligten.

Dass die Referentin mit den akademischen Referenzen selbst dann nicht ihre privilegierte Position erkennt, wenn sie gerade auf dem Weg ist, der badischen Provinz-Antifa richtiges Benehmen beizubringen, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass eine narzisstisch gekränkte Person noch jede Einladung annimmt, die ihr unterbreitet wird. Es wäre aus unserer Sicht weitaus besser gewesen, aus derselben Stadt einen Referenten einzuladen, der die enormen Wahlerfolge der AfD in Baden-Württemberg analytisch aufbereitet. Das wäre Antifaschismus auf der Höhe der Zeit.

Antideutsche Aktion Baden im April 2018

  1. https://www.facebook.com/events/352298741948616/ [zurück]

Infantile Agitation XVII

Diesen Monat gibt es wieder etwas, was uns daran erinnert, wo wir eigentlich herkommen. Aus einer sich selber als Bewegung begreifenden Szene, welche von zwei starken Extremen geprägt ist. Die einen vergöttern die Arbeit und die Arbeiterklasse mit beinahe protestantisch-messianischer Hingabe, die anderen verdammen die Arbeit und jeden Versuch, den eigenen, als unzumutbar empfundenen Verhältnissen zu entfliehen, als Verrat. Von den ersteren gab es schon manchen zu berichten, nun haben wir die Möglichkeit uns mit den anderen auseinanderzusetzen. Für den Versuch ihrer Sache propagandistisch unter die Arme zu greifen, kann man sich nur herzlich bedanken. Es ist ihnen gelungen, ihrem offensichtlich vulgär-anarchistischen Anspruch vollkommen gerecht zu werden. Der Gedanke, dass die Karriereleiter mit einem Hamsterrad vergleichbar sei, ist so einfallslos wie dumm. Während man vollkommen zurecht argumentieren kann, dass Arbeit, welche sich am Ende des Lohnspektrums befindet, eher einem Hamsterrad gleicht, da es in ihr kein Vorankommen gibt, stellt sich das bei einer Karriere doch etwas anders da. Sie ermöglicht es einem, aus einem WG-Zimmer in die eigene Wohnung zu ziehen und diese Wohnung irgendwann gegen eine größere einzutauschen. Es besteht mit dem Vorankommen die Möglichkeit Urlaub an einem anderen Ort als Balkonien zu machen und man schafft es vermutlich sogar, dass die eigenen Kinder eine Chance auf eine gute Zukunft haben. Anders als beim Hamsterrad, verlässt man bei der Karriereleiter tatsächlich den Käfig. Gegen sie auf die Straße zu gehen, bedeutet gegen die wenigen, die es noch von unten nach oben schaffen zu demonstrieren, anstatt wirkliche Kritik an den Verhältnissen zu üben.

mmm

Zweiklassengesellschaft zum Frauentag

Zum Weltfrauentag liefert das OAT Konstanz eine saftige Kritik an der laschen Praxis der Konstanzer Frauenrechtlerinnen, die es wagen, diesen Tag nicht aufrecht kämpfend zu verbringen: es sollen Rosen verteilt werden, es wird zum Brunch geladen. Nach dem Geschmack der auf politische Aktion getrimmten Patriarchatsgegner aus Konstanz viel zu wenig am Frauenkampf(!)tag. Sie sollen auf Linie gebracht werden, schließlich ist der Gegner kein geringerer als der „weltweite” Männerbund, für den härtere Geschütze aufgefahren werden müssen:

„Um diesem Problem tatsächlich entgegenzutreten, müssen Männer als Nutznießer des Patriarchats und als Täter von Gewalt gegen Frauen* benannt und kritisiert werden. Gewalt gegen Frauen* entsteht nicht aus dem Nichts, sondern ist Produkt einer strukturell frauenunterdrückenden Gesellschaft. Diese findet sich nicht etwa erst hinter den Grenzen der bürgerlich-demokratischen Wohlstand[s]gesellschaften, sondern prägt unser Leben auch in Konstanz Tag für Tag. Ohne organisierte Aktionen eines feministischen Widerstandes gegen Sexismus und Patriarchat, ohne Frauen*, die für ihre Rechte einstehen und kämpfen, ohne politische Forderungen bleiben Veranstaltungen wie die in Konstanz rein symbolische Akte ohne Folgen. Zum Frauen*kampftag zelebrieren wir einen Feminismus, der das Problem der Gewalt gegen Frauen* an den Wurzeln packt, mit traditionellen Rollenbildern vollständig bricht, die Täter klar benennt und anklagt und der eine befreite Gesellschaft ohne einengende Geschlechtsidentitäten und Patriarchat fordert.”

Wir nehmen dieses Anliegen ernst und kommen der Forderung nach dem Benennen der Täter nach. Um die gewalttätigen Männer, die sich schnell in ihrer Ehre gekränkt fühlen, zu finden, müssen wir durchaus die Grenzen dieses bürgerlich-demokratischen Staates nicht verlassen, nicht einmal das Bundesland müssen wir verlassen. In Laupheim bei Ulm sollte letzte Woche ein junges Mädchen hingerichtet werden; ihr Bruder, ein islamistischer Gefährder und ihr nach islamisch-patriarchaler Heirat aufgezwungener Ehemann sahen sich durch sie in ihrer Ehre verletzt. Die 17-jährige Alaa W. wollte ein selbstbestimmtes Liebesleben führen und wurde zur Ehebrecherin, was nach islamischem Recht den Tod bedeutet. Sie überlebte nur knapp die brutale Attacke.
Nicht nur auf der „individuell-persönlichen Ebene” wurde hier im Namen des Islam Gewalt ausgeübt. Die Tat überbringt gleichzeitig eine Warnung an alle Mädchen und Frauen in streng islamischen Familien, nicht Reißaus zu nehmen – einem sittlich islamisches Leben als Gebärmaschine sollen sie sich beugen.

Nun könnte leicht der Eindruck entstehen, diese Zustände wären ebenfalls gemeint, wenn das OAT davon spricht, dass „Männer eher zu Aggression und Gewalt als Mittel [neigen]. Dies kommt besonders dann zum Tragen, wenn sie sich in ihrer männlichen Ehre angegriffen fühlen.”

Doch ein konkretes Anklagen islamischer Scheußlichkeiten bleibt aus, man flüchtet sich lieber schnell in sichere Gewässer und bemängelt das erst (!) 100 Jahre alte Wahlrecht. Anstatt dieses als eine der wichtigsten Errungenschaften bürgerlicher Emanzipation zu begrüßen und dieses im Sinne eines universalen Feminismus für alle Frauen weltweit einzufordern, erfolgt nur der schwammige Verweis auf die überall auf der Welt gleichermaßen unterdrückten Frauen.
Insgesamt liegt hier also eine Kritik vor, welche man ohne Umstände in den Kommentaren der Tagesschau und diversen Zeitungen finden kann und für die man wahrlich nicht den Text des OAT lesen muss.

Die Ehrenmorde, die Degradierung der Frau zum Besitz eines Mannes, ja die wirklich brutalsten Formen der Frauenunterdrückung, welche in der Community des Alltagsislams Normalität sind, werden nicht angesprochen.
Wer einen ernstzunehmenden Feminismus vertreten möchte und sich solidarisch gegenüber Frauen zeigen will, die unter patriarchalen Strukturen leben müssen, der sollte davon nicht schweigen.

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Alle Zitate: http://oatkn.blogsport.de/images/GewaltgegenFrauen_OATKN.pdf

Liste der in Deutschland verübten Ehrenmorde: http://www.ehrenmord.de/doku/2017/doku_2017.php

Ehrenmordversuch in Laupheim: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/laupheim-maedchen-nach-versuchtem-ehrenmord-ausser-gefahr-15477837.html

Infantile Agitation XVI

Der Monat Februar ist der kürzeste Monat im Kalender. Dies ist er, weil Kaiser Augustus, um seinen göttlichen Status zu unterstreichen, dem Monat Februar einen Tag nahm um ihm dem Monat August, welcher nach ihm benannt war, zu widmen.

Wie Marx sagt: „…die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.“ Daher wird die Infantile Agitation des Monats Februar diesmal Anfang März hochgeladen.Wer noch weitere theoretische Eingebungen für die Verspätung benötigt, wende sich bitte direkt an die Redaktion.

Das Thema „Arschlöcher“ hat uns bereits im Monat Januar beschäftigt. Anknüpfend an den letzten Monat, hat sich die linke Szene wohl Gedanken dazu gemacht. In dem Bewusstsein, dass eine Vereinfachung noch einfacher zu verstehen ist, wenn man sie vereinfacht, haben sich die Genossen dazu entschieden nochmal einen drauf zu setzen und das Ganze endgültig ins Groteske zu überführen. Während bei den einen noch der Faschismus das Arschlochsein ausmacht, ist es hier das Arschlochsein was das Arschlochsein ausmacht. Die Sinnentleerung wurde damit konsequent zu Ende gebracht.

Dieser bestechenden Logik ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht der Frage, ob der eine oder die andere ihre anale Phase doch noch nicht überwunden hat. In diesem Sinne, in diesem Monat, ganz im Namen der guten Sache:

Infantile Agitation XV

Da dieses Jahr so beginnt wie das letzte zu Ende ging, gibt es auch 2018 eine Fortsetzung der Infantilen Agitation.

Und so werden wir, wie im letzten Jahr, alles zwischen Menschenverachtung, purer Stumpfheit und wirklich infantilen Blödeleien in Stickerform präsentieren, welche die radikale Linke in Deutschland seit Jahrzehnten begleiten, indem wir wieder zugesandte Aufkleber betrachten, bearbeiten und die Besten ins Rennen schicken.

Diesen Monat fangen wir mit einem wirklich dankbaren Thema an: dem Nazi. Keiner mag ihn, keiner will einer sein, bis auf einige wirklich Zurückgebliebene will keiner sich mit ihm gemein machen.

Er ist ein Arschloch. Dieser anerkannte Fakt ist es wert, dass man sich immer und immer wieder vergewissert, dass es sich genau so verhält. Arschlöcher sind heutzutage zwar viele, für die einen die Islamfaschisten welche in Brüssel ein Massaker anrichteten, für die anderen Typen die im Aufzug einen fahren lassen, bevor sie ihn verlassen. Spätestens seit den Ärzten ist auch bei der Mehrheitsgesellschaft angekommen, dass „Arschloch“ als Begriff zudem für die Vertreter der Ideologie unter deren Fahne die Deutschen den größten Massenraubmord in der Geschichte begingen, am besten taugt.

Diesen Monat daher:

IV_Herz_20180131